Greiflet  


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Greiflet am Dreikönigstag

Die Greifler ziehen auf dem Dorfplatz ein (Bild oben).
Ein weiterer Höhepunkt ist das traditionelle Plöder (Bild unten).

Am Feiertag Dreikönigen läuft schon mehr: am Vorabend ist die Generalversammlung der Fasnachtsgesellschaft, die eigentliche Eröffnung der Fasnacht, und am Dreikönigs?Abend der Greiflet.
Teils glauben, teils wissen, teils spüren wir, dass eine derart kraftvolle Manifestation wie ein Greiflet im Steiner Dorfkern nicht mit seichtem Folklore?Rummel allein erklärt werden kann. Da wirken Wurzeln, die uns "as Läbig" gehen, Eiskrusten brechen auf, das Erlebnis der Gemeinschaft wird dermassen intensiv, dass es gefährlich werden könnte, wären da nicht strenge Regeln!
Über diese Regeln wacht die Greiflergesellschaft. Sie organisiert auch, dass jeder ein weisses Hirthemd und eine Schelle oder Chlopfä erhält. Längst nicht mehr alle Teilnehmer vom kleinen Buben bis zum würdigen Greis stammen aus der Landwirtschaft.
Die Geissel zum Chlepfen kann man allerdings nicht von der Gesellschaft leihen. Den Chrüzlistreich, rhythmisch über dem Kopf hin und her geschlagen, oder den prachtvollen einzelnen Chlapf, das lernt man nicht in einer Viertelstunde, das braucht monate? und jahrelange Übung.
Am Dreikönigstag ziehen also Buben und Maitli in Grüpplein von zwei bis fünf von Haus zu Haus, von Hof zu Hof, triicheln vor den Türen, bis aufgemacht wird. Sicher haben sie dazu früher ein passendes Sprüchlein aufgesagt oder gesungen. Sie wurden beschenkt mit Nüssen, Äpfeln, gedörrten Birnen. Heute stehen sie leider nur stumm und fordernd da, bis man ihnen ein paar Batzen oder Chräpfli in die Hand drückt. Eine lohnende Aufgabe für die Greiflergesellschaft, hier für Besserung zu sorgen? Wie sagt doch der Philosoph: "Tradition schaffen ist besser als Tradition haben!"
Bei den Bauernhöfen wurde früher im Kreis um die Bäume getrichelt, ein Fruchtbarkeitsritus.
Am Dreikönigsabend schreiten meist über hundert Greifler ? Trichler mit Schellen, Glocken, Chlopfen, den weniger traditionellen Sententriicheln am Joch, und die Geisslechlepfer von allen Seiten her auf den Dorfplatz zu; die einzelnen Töne vermengen sich von ferne zu einem Summen, schwellen an zu einem Brausen, zu einem gewaltig rauschenden Dröhnen, unterteilt von scharfen einzelnen Peitschenschlägen oder dem rhythmischen Stakkato des Chrüzlistreichs. Einzelne Jauchzer leuchten auf, sonst bleiben Greifler und Zuschauer stumm. Hier sprechen mächtigere Stimmen, als die uns kleinen Menschlein gegebenen. Drei Mal zieht das ganze Pandämonium um den Platz, die Geisslechlepfer bleiben in der Mitte. Fast scheint es jetzt, eine heilige Eiche oder Linde im Rund wäre so wenig fehl, als es das christliche Gotteshaus ist, das ruhig und würdevoll über dem Ganzen thront. Doch dann beruhigt sich alles, ein humorvolles Plöder bringt uns in die heutige Welt zurück, der Abend klingt aus mit Musik und Tanz in einer Wirtschaft. Früher wurde dieser Tanz in einer grossen Bauernstube gehalten. Als Erinnerung bleiben die "Driikönigsblettli", wo die Dialekt-Spottgedichte der Schnitzelbank aufgeschrieben sind. -
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