Gruss  


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Bei uns wird noch gegrüsst

Einen alten und sinnvollen Brauch vergisst man dabei fast immer, und gerade diesen stellen wir hier an den Anfang.
In Steinen ist es Brauch, dass man sich auf der Strasse gegenseitig grüsst!

Vielfach erinnern wir uns eines Brauches erst, wenn er am Abserbeln ist. Vorher war alles selbstverständlich. So auch das Grüssen. Seit Menschengedenken sagt ein Steiner, wenn er auf der Strasse jemandem begegnet: "Guotag!". Vielleicht hängt er daran des andern Namen: "Guotag Frä Schuoler". Oder wenn er sich des Namens nicht erinnert: "Guotag wouhl!"

Das kann allerdings die gewünschte Wirkung verfehlen. Entgegnete doch vor Jahren eine einflussreiche Fabrikantenfrau auf eine solche Begrüssung ziemlich spitz: "Ich bi de nid p'Frau Woohl! " So unscheinbar der Gruss-Brauch scheinen mag, so wichtig ist er für das Leben unseres Dorfes. Noch in den vierziger Jahren waren die Lehrschwestern und der Lehrer ganz scharf dahinter, dass wir das nie vergassen. Es leuchtet wohl ein, dass das menschliche Klima in einer so kleinen Gemeinschaft viel besser wird, wenn jeder jedem von Herzen einen guten Tag gönnen mag und ihm dies auch sagt.
An Neujahrsbräuchen gibt es bei uns kaum Auffallendes, es sei denn dies: wer in der Familie am Morgen von St. Silvester am längsten schläft, ist das Silvester-Chälbäli, wer zuerst aufsteht, der Stubäfuchs.
Am Neujahrstag besucht das Göttikind seine Gotte, den Götti, zum "z'Nüüjaahr awüüschä". Bei dieser Gelegenheit erhält es den Göttibatzen, die "Helsetä", früher einen Fünfliber, heute eher Papiergeld.